Der Weg zur eigenen App - Die häufigsten Fragen


Adrian Oggenfuss

Die ersten Apps wurden vor rund zehn Jahren entwickelt. In der Zwischenzeit befinden sich über fünf Millionen Apps, allein in den Stores von Apple und Google. Viele Unternehmen überlegen sich, wie Apps für das eigene Geschäft genutzt werden können. In diesem Zusammenhang tauchen viele Fragen und Unsicherheiten auf, vor allem wenn noch keine Erfahrungen mit der Entwicklung einer App bestehen. Was sind die häufigsten Fragen und welche Punkte gilt es zu beachten, damit die eigene App zum Erfolg wird? Wir sind seit 2010 in der App-Entwicklung tätig und durften über 50 Kunden auf dem Weg zur eigenen App begleiten. Nachfolgend möchte ich auf die häufigsten Fragen eingehen und unsere Empfehlungen und Erfahrungen dazu schildern.

 

Macht eine App für meine Firma Sinn?
Eine App kann für Unternehmen in verschiedenen Situationen ein wertvolles Tool darstellen. Sei es zur Interaktion mit den Kunden, als Vertriebskanal oder zur Optimierung von internen Prozessen. In einigen Fällen stellt die App sogar das Kerngeschäft des Unternehmens dar. 

Es geht also darum die existierenden Geschäftsprozesse und Stakeholder zu analysieren und bewusst nach Möglichkeiten zu suchen, wo der Einsatz einer App Sinn machen könnte.

Dafür eignet sich z.B. die Business Model Canvas. In der Analysephase helfen auch Gespräche mit potentiellen Nutzern (Kunden, Mitarbeiter), um Bereiche mit Optimierungspotential aufzudecken. Nachdem verschiedene Ideen generiert und verglichen wurden, gilt es sich auf einen Ansatz zu fokussieren und diesen weiter zu verfolgen.

 

Die Idee steht, was nun? 
Die Idee existiert im Kopf, wurde in Meetings oder bei einem Bier besprochen und eventuell in grober Form auf Papier gebracht. Doch was ist der nächste Schritt? Es geht nun darum die Idee weiter zu konkretisieren und detaillierter zu beschreiben.

Für die ausführliche Beschreibung wird ein Ablaufkonzept (Wireframe) erstellt, in welchem die verschiedenen Ansichten und Interaktionen aus Nutzersicht dargestellt werden. Mögliche Tools sind Sketch, Balsamiq oder Axure. Einerseits kann dadurch die Machbarkeit evaluert werden, andererseits ermöglicht die detaillierte Beschreibung eine sinnvolle Kostenschätzung.

 

Was kostet die Umsetzung einer App?
Im Ablaufkonzept wird sichtbar wie viele Ansichten (Screens) eine App in etwa umfasst, was ein wichtiger Kostentreiber darstellt. Zudem werden auch weitere Funktionen ersichtlich, die einen Einfluss haben können: Gibt es Schnittstellen zu einer Datenbank, bzw. muss eine solche neu erstellt werden? Braucht es die Möglichkeit in der App etwas zu bezahlen (In-App payment)? In welchen Sprachen wird die App angeboten? Wird mit sensitiven Userdaten gearbeitet, bzw. ein erhöhtes Sicherheitslevel benötigt? Sollen die App-User mit Push Notifications angesprochen werden? 

Als grober Anhaltspunkt kann das Budget für die Entwicklung einer App mit einem Autokauf verglichen werden: Je nach Funktionalität, Performance und Design Ansprüchen bewegt man sich vom Kleinwagen bis zum Luxusauto.

 

Native oder Cross-Plattform?
Eine wichtige Entscheidung ist die Auswahl einer geeigneten Technologie für die Umsetzung. Diese hat einen Einfluss auf die Funktionalität der App und wirkt sich ebenfalls auf die Entwicklungskosten aus. 

Zunächst stellt sich die Frage für welche Plattformen die App bereitgestellt werden soll. In den meisten Fällen wird eine App für iOS und Android angeboten, in der Schweiz werden damit zurzeit ca. 95% der Smartphone User erreicht. Für unternehmensinterne Anwendungen kann auf eine Plattform fokussiert werden, wenn die Mitarbeiter nur mit einem Betriebssystem arbeiten oder extra für den Use Case mit neuen Geräten ausgestattet werden. 

Eine native App ist speziell für das jeweilige Betriebssystem programmiert. Dies bedeutet, dass der Code für beide Plattformen (iOS / Android) separat geschrieben werden muss. Cross-Plattform Sprachen können demgegenüber mit demselben Code für beide Plattformen verwendet werden. Dies bietet den Vorteil, dass Kosten eingespart werden können. Auf der anderen Seite entstehen gewisse Nachteile wenn komplexere Funktionen umgesetzt werden sollen (z.B. Verwendung von Bewegungssensoren im Smartphone) oder die Performance eine wichtige Rolle spielt. 

Grundsätzlich ist es schwierig eine pauschale Aussage für oder gegen eine Umsetzungstechnologie zu treffen. Es ist notwendig den Anwendungsfall und die Anforderungen genau zu spezifizieren und allenfalls bereits bestehende Apps bzw. Technologien zu berücksichtigen. Abhängig davon kann eine passende Entscheidung getroffen werden.

 

Was sollte beim Design beachtet werden? 
Wenn die App für mehrere Plattformen umgesetzt wird, stellt sich die Frage ob für iOS und Android unterschiedliche Designs erstellt werden sollen. Sowohl Apple wie auch Google haben Design Vorgaben. Diese müssen zwar nicht zwingend eingehalten werden, die User haben sich aber an diese Standards gewöhnt und deren Beachtung trägt somit zu einer guten User Experience bei. Abgesehen von den spezifischen Unterschieden sollte das Design möglichst ähnlich gehalten werden, so dass auch eine Plattform übergreifende (Brand-) Wiedererkennbarkeit gewährleistet wird.

Die für den Kunden erstellten Designs verwalten wir dem dem Tool Zeplin. Designs können direkt von Sketch oder Adobe Photoshop importiert werden. Die jeweiligen Vermassungen und Farben werden automatisch im Tool angezeigt. Zudem sind die Grafik Ressourcen für die Entwickler direkt zugänglich. Zu den einzelnen Screens können mit einer Kommentarfunktion Anmerkungen verfasst werden, was den Austausch zwischen Kunde und Designer vereinfacht. 

 

Das Design steht. Können wir mit der Programmierung beginnen? 
Auch wenn alle in den Startlöchern stehen und voll motiviert mit der Umsetzung beginnen möchten, macht es fast immer Sinn das Design und die App-Idee anhand eines Klick-Prototypen zu testen. Mit verschiedenen Tools wie z.B. Marvel oder Invision können ohne grossen Aufwand Prototypen erstellt werden, welche direkt auf dem Smartphone angeschaut und “genutzt” werden können. So ist es möglich bereits sehr früh ein wertvolles Nutzerfeedback in den Prozess einfliessen zu lassen und die getroffenen Annahmen zu testen.

Wir sehen bei beinahe allen Projekten, dass durch den Einsatz eines Prototypen die Feedback Qualität deutlich verbessert wird und Punkte aufkommen, die selbst bei detaillierten Ablauf Konzepten nicht berücksichtigt bzw. entdeckt wurden.  

Vor dem Beginn der Programmierung sollte eine ausführliche Feature Liste bzw. ein Pflichtenheft und darauf aufbauend eine zeitliche Umsetzungsplanung erstellt werden. Wir arbeiten in den meisten Projekten mit der agilen Methodik Scrum, wobei vor allem das regelmässige Testing von Zwischenschritten einen wichtigen Faktor darstellt. Durch diese Zwischentests wird eine konsequente userzentrierte Ausrichtung sichergestellt. Dank der Umsetzung in Teilschritten wird zudem ermöglicht, dass neue Erkenntnisse berücksichtigt werden können.

 

Die App ist fertig umgesetzt. Wie geht es nun weiter? 
Bevor die App zum Download angeboten wird sollte sie in einer ausführlichen Testphase auf Herz und Nieren geprüft werden. Einerseits testen die Entwickler auf simulierten Devices (im Entwicklertool), andererseits ist es notwendig die App auf physischen Geräten zu testen. Dabei sollten sowohl unterschiedliche Geräte wie auch ältere Betriebssystem-Versionen getestet werden. Für diesen Zweck haben wir eine “Testing-Wall” eingerichtet, wo die App auf verschiedene Geräte geladen und automatischen Tests unterzogen wird. 

Daneben sollte auch manuell ausführlich getestet werden. Dies kann im Projektteam erfolgen, im Idealfall wird jedoch eine Gruppe von Testnutzern eingeladen die App zu testen. Dies kann sogar im Rahmen eines halb-öffentlichen Beta-Tests erfolgen. Sowohl Apple (über Apple-Testflight) und Google (Alpha- und Beta- Testing über Google Play) stellen dazu gute Möglichkeiten zur Verfügung. 

 

Wie können die User meine App downloaden?
Die bekannteste Verbreitungsmöglichkeit sind die App-Stores von Apple und Google-Play. Für die Einreichung braucht es einen kostenpflichtigen Apple Developer Account, die Einreichung erfolgt dann über iTunes Connect. Für die erstmalige Erstellung des Accounts sollte genügend Zeit einberechnet werden (ca. 2 Wochen) da Apple jede Anmeldung manuell prüft und bearbeitet. Ebenfalls für die Einreichung der App ist Zeit einzurechnen (ca. 2-7 Tage). Die Freigabedauer variiert abhängig von der Auslastung der Prüfabteilung von Apple. Eine Voraussage bietet die Webseite appreviewtimes.com. Bei Google wird ebenfalls ein kostenpflichtiger Developer Account benötigt (sehr schnelle Eröffnung), die Einreichung erfolgt über die Developer Console. Die Apps werden automatisiert geprüft und innerhalb von 1-2 Stunden freigegeben. 

Neben den offiziellen Stores bietet sich die Möglichkeit die App über einen “Inhouse Store” zu verteilen, welchen nur einem begrenzten Nutzerkreis (z.B. Mitarbeiter eines Unternehmens) zugänglich ist. Für einen Inhouse Store muss bei Apple eine Lizenz beantragt werden. Die Implementierung eines eigenen Inhouse Stores bieten wir als Lösung für Unternehmen an.

Falls eine Firma bereits über ein MDM (Mobile Device Management System) verfügt, kann die App darüber auf die Devices geladen werden. Ein MDM bietet gewisse Vorteile bezüglich Sicherheit, ist jedoch aufwändig in der Installation. Wenn ein solches nicht bereits im Einsatz ist, lohnt sich die Einführung für den Vertrieb lediglich einer App meistens nicht. Wir haben die gängigsten MDM getestet und evaluiert. Die Ergebnissen können in diesem Blogbeitrag eingesehen werden. 

 

Wie wird meine App gefunden?
Nachdem die App in den App-Stores freigeschaltet wurde, geht es darum, dass sie möglichst gut gefunden wird. Dafür können klassische Vermarktungsmöglichkeiten (vom Zeitungs-Inserat bis zu Werbebannern) eingesetzt werden. 

Andererseits geht um Massnahmen die die Auffindbarkeit von Apps in den App-Stores betreffen. Diese werden unter dem Begriff “App Store Optimization” (ASO) zusammengefasst. Darunter fallen alle Punkte welche die Präsentation und Beschreibung der App in den Stores betreffen:
    •    App Icon

    •    App Name 

    •    Keywords

    •    App Kategorien

    •    App Beschreibung

    •    Screenshots

    •    Ratings & Review

    •    Preview Video


Die Möglichkeiten, welche sich bei den einzelnen Punkten bieten werden in einem zukünftigen Blog-Post behandelt werden. So viel sei jedoch verraten: Der (nicht sichtbare) App-Rank wird am stärksten durch die Anzahl Downloads der App beeinflusst

 

Was muss ich beim Betrieb der App beachten? 
Wenn die App erfolgreich vermarktet und eine Userbasis aufgebaut wurde, gilt es die App sinnvoll weiter zu entwickeln. Anhand des Reportings kann analysiert werden welche Inhalte bei den Nutzern auf Anklang stossen und intensiv genutzt werden und wo noch Verbesserungspotential besteht. Zudem sollte mit einem geeigneten Tool (z.B. Firebase) die Crashes überwacht werden. Wenn sich Crashes häufen muss dem Problem genauer auf den Grund gegangen werden. 

Ebenfalls überwachen sollte man die Reviews und Kommentare in den App Stores. Einerseits werden dort Fehler gemeldet, andererseits Erweiterungsvorschläge gemacht. Diese gilt es zu analysieren und allenfalls die App dementsprechend zu erweitern. Ebenfalls bieten beide Plattformen die Möglichkeit auf Kommentare der User zu antworten. Vor allem bei negativen Kommentaren sollte von dieser Möglichkeit gebrauch gemacht werden.

Ein weiterer Punkt sind die Betriebssystem Updates von Apple und Android. Bei Major- Updates (ganze Zahlen, zB. 11.0.0 bei iOS oder 8.0.0 bei Android) sollte die App bereits vor dem offiziellen Release mit der Beta-Version des Betriebssystems auf die Lauffähigkeit und allfällige Fehler überprüft werden. Bezüglich Abwärts-Kompatibilität wird meistens die aktuelle Version und die letzte (allenfalls noch vorletzte) Version unterstützt. 

 

Fazit

Auf dem Weg zur eigenen App gibt es also viele Fragen zu beantworten und Entscheidungen zu treffen. Das Positive ist, dass die Fragestellungen bei vielen App-Projekten ähnlich sind und sich mit etwas Erfahrung ein passender Weg oft abzeichnet. Eine App zu erstellen sollte also sicherlich nicht unterschätzt werden. Aber wenn man Schritt für Schritt nimmt und sich mit den wichtigsten Fragen auseinandersetzt steht dem Ziel erfolgreich eine eigene App zu lancieren nichts mehr im Weg.