Der Weg zur eigenen App - Die häufigsten Fragen

11.4.2018 - Adrian Oggenfuss

Die ersten Apps wurden vor rund zehn Jahren entwi­ckelt. In der Zwischen­zeit befinden sich über fünf Millionen Apps, allein in den Stores von Apple und Google. Viele Unter­nehmen über­legen sich, wie Apps für das eigene Geschäft genutzt werden können. In diesem Zusam­men­hang tauchen viele Fragen und Unsi­cher­heiten auf, vor allem wenn noch keine Erfah­rungen mit der Entwick­lung einer App bestehen.Was sind die häufigsten Fragen und welche Punkte gilt es zu beachten, damit die eigene App zum Erfolg wird? Wir sind seit 2010 in der App-​Entwicklung tätig und durften über 50 Kunden auf dem Weg zur eigenen App begleiten. Nach­fol­gend möchte ich auf die häufigsten Fragen eingehen und unsere Empfeh­lungen und Erfah­rungen dazu schil­dern.

Der Weg zur eigenen App - Die häufigsten Fragen teaser

Macht eine App für meine Firma Sinn?

Eine App kann für Unter­nehmen in verschie­denen Situa­tionen ein wert­volles Tool darstellen. Sei es zur Inter­ak­tion mit den Kunden, als Vertriebs­kanal oder zur Opti­mie­rung von internen Prozessen. In einigen Fällen stellt die App sogar das Kern­ge­schäft des Unter­neh­mens dar.

Es geht also darum die exis­tie­renden Geschäfts­pro­zesse und Stake­holder zu analy­sieren und bewusst nach Möglich­keiten zu suchen, wo der Einsatz einer App Sinn machen könnte.

Dafür eignet sich z.B. die Busi­ness Model Canvas. In der Analy­se­phase helfen auch Gespräche mit poten­ti­ellen Nutzern (Kunden, Mitar­beiter), um Bereiche mit Opti­mie­rungs­po­ten­tial aufzu­de­cken. Nachdem verschie­dene Ideen gene­riert und vergli­chen wurden, gilt es sich auf einen Ansatz zu fokus­sieren und diesen weiter zu verfolgen.

Die Idee steht, was nun?

Die Idee exis­tiert im Kopf, wurde in Meetings oder bei einem Bier bespro­chen und even­tuell in grober Form auf Papier gebracht. Doch was ist der nächste Schritt? Es geht nun darum die Idee weiter zu konkre­ti­sieren und detail­lierter zu beschreiben.

Für die ausführ­liche Beschrei­bung wird ein Ablauf­kon­zept (Wire­frame) erstellt, in welchem die verschie­denen Ansichten und Inter­ak­tionen aus Nutzer­sicht darge­stellt werden. Mögliche Tools sind Sketch, Balsamiq oder Axure. Einer­seits kann dadurch die Mach­bar­keit evaluert werden, ande­rer­seits ermög­licht die detail­lierte Beschrei­bung eine sinn­volle Kosten­schät­zung.

Beispiel Kozept

Was kostet die Umset­zung einer App?

Im Ablauf­kon­zept wird sichtbar wie viele Ansichten (Screens) eine App in etwa umfasst, was ein wich­tiger Kosten­treiber darstellt. Zudem werden auch weitere Funk­tionen ersicht­lich, die einen Einfluss haben können: Gibt es Schnitt­stellen zu einer Daten­bank, bzw. muss eine solche neu erstellt werden? Braucht es die Möglich­keit in der App etwas zu bezahlen (In-App payment)? In welchen Spra­chen wird die App ange­boten? Wird mit sensi­tiven User­daten gear­beitet, bzw. ein erhöhtes Sicher­heits­level benö­tigt? Sollen die App-​User mit Push Noti­fi­ca­tions ange­spro­chen werden?

Als grober Anhalts­punkt kann das Budget für die Entwick­lung einer App mit einem Auto­kauf vergli­chen werden : Je nach Funk­tio­na­lität, Perfor­mance und Design Ansprü­chen bewegt man sich vom Klein­wagen bis zum Luxus­auto.

Native oder Cross-​Plattform?

Eine wich­tige Entschei­dung ist die Auswahl einer geeig­neten Tech­no­logie für die Umset­zung. Diese hat einen Einfluss auf die Funk­tio­na­lität der App und wirkt sich eben­falls auf die Entwick­lungs­kosten aus.

Zunächst stellt sich die Frage für welche Platt­formen die App bereit­ge­stellt werden soll. In den meisten Fällen wird eine App für iOS und Android ange­boten, in der Schweiz werden damit zurzeit ca. 95% der Smart­phone User erreicht. Für unter­neh­mens­in­terne Anwen­dungen kann auf eine Platt­form fokus­siert werden, wenn die Mitar­beiter nur mit einem Betriebs­system arbeiten oder extra für den Use Case mit neuen Geräten ausge­stattet werden.

Eine native App ist speziell für das jewei­lige Betriebs­system program­miert. Dies bedeutet, dass der Code für beide Platt­formen (iOS / Android) separat geschrieben werden muss. Cross-​Plattform Spra­chen können demge­gen­über mit demselben Code für beide Platt­formen verwendet werden. Dies bietet den Vorteil, dass Kosten einge­spart werden können. Auf der anderen Seite entstehen gewisse Nach­teile wenn komple­xere Funk­tionen umge­setzt werden sollen (z.B. Verwen­dung von Bewe­gungs­sen­soren im Smart­phone) oder die Perfor­mance eine wich­tige Rolle spielt.

Grund­sätz­lich ist es schwierig eine pauschale Aussage für oder gegen eine Umset­zungs­tech­no­logie zu treffen. Es ist notwendig den Anwen­dungs­fall und die Anfor­de­rungen genau zu spezi­fi­zieren und allen­falls bereits bestehende Apps bzw. Tech­no­lo­gien zu berück­sich­tigen. Abhängig davon kann eine passende Entschei­dung getroffen werden.

Was sollte beim Design beachtet werden?

Wenn die App für mehrere Platt­formen umge­setzt wird, stellt sich die Frage ob für iOS und Android unter­schied­liche Designs erstellt werden sollen. Sowohl Apple wie auch Google haben Design Vorgaben. Diese müssen zwar nicht zwin­gend einge­halten werden, die User haben sich aber an diese Stan­dards gewöhnt und deren Beach­tung trägt somit zu einer guten User Expe­ri­ence bei. Abge­sehen von den spezi­fi­schen Unter­schieden sollte das Design möglichst ähnlich gehalten werden, so dass auch eine Platt­form über­grei­fende (Brand-) Wieder­erkenn­bar­keit gewähr­leistet wird.

Die für den Kunden erstellten Designs verwalten wir dem dem Tool Zeplin. Designs können direkt von Sketch oder Adobe Photo­shop impor­tiert werden. Die jewei­ligen Vermas­sungen und Farben werden auto­ma­tisch im Tool ange­zeigt. Zudem sind die Grafik Ressourcen für die Entwickler direkt zugäng­lich. Zu den einzelnen Screens können mit einer Kommen­tar­funk­tion Anmer­kungen verfasst werden, was den Austausch zwischen Kunde und Desi­gner verein­facht.

App Design

Das Design steht. Können wir mit der Program­mie­rung beginnen?

Auch wenn alle in den Start­lö­chern stehen und voll moti­viert mit der Umset­zung beginnen möchten, macht es fast immer Sinn das Design und die App-​Idee anhand eines Klick-​Prototypen zu testen. Mit verschie­denen Tools wie z.B. Marvel oder Invi­sion können ohne grossen Aufwand Proto­typen erstellt werden, welche direkt auf dem Smart­phone ange­schaut und “genutzt” werden können. So ist es möglich bereits sehr früh ein wert­volles Nutzer­feed­back in den Prozess einfliessen zu lassen und die getrof­fenen Annahmen zu testen.

Wir sehen bei beinahe allen Projekten, dass durch den Einsatz eines Proto­typen die Feed­back Qualität deut­lich verbes­sert wird und Punkte aufkommen, die selbst bei detail­lierten Ablauf Konzepten nicht berück­sich­tigt bzw. entdeckt wurden.

Vor dem Beginn der Program­mie­rung sollte eine ausführ­liche Feature Liste bzw. ein Pflich­ten­heft und darauf aufbauend eine zeit­liche Umset­zungs­pla­nung erstellt werden. Wir arbeiten in den meisten Projekten mit der agilen Methodik Scrum, wobei vor allem das regel­mäs­sige Testing von Zwischen­schritten einen wich­tigen Faktor darstellt. Durch diese Zwischen­tests wird eine konse­quente user­zen­trierte Ausrich­tung sicher­ge­stellt. Dank der Umset­zung in Teil­schritten wird zudem ermög­licht, dass neue Erkennt­nisse berück­sich­tigt werden können.

Die App ist fertig umge­setzt. Wie geht es nun weiter?

Bevor die App zum Down­load ange­boten wird sollte sie in einer ausführ­li­chen Test­phase auf Herz und Nieren geprüft werden. Einer­seits testen die Entwickler auf simu­lierten Devices (im Entwick­ler­tool), ande­rer­seits ist es notwendig die App auf physi­schen Geräten zu testen. Dabei sollten sowohl unter­schied­liche Geräte wie auch ältere Betriebssystem-​Versionen getestet werden. Für diesen Zweck haben wir eine “Testing-​Wall” einge­richtet, wo die App auf verschie­dene Geräte geladen und auto­ma­ti­schen Tests unter­zogen wird.

Daneben sollte auch manuell ausführ­lich getestet werden. Dies kann im Projekt­team erfolgen, im Ideal­fall wird jedoch eine Gruppe von Test­nut­zern einge­laden die App zu testen. Dies kann sogar im Rahmen eines halb-​öffentlichen Beta-​Tests erfolgen. Sowohl Apple (über Apple-​Testflight) und Google (Alpha- und Beta- Testing über Google Play) stellen dazu gute Möglich­keiten zur Verfü­gung.

Testing Wall

Wie können die User meine App down­loaden?

Die bekann­teste Verbrei­tungs­mög­lich­keit sind die App-​Stores von Apple und Google-​Play. Für die Einrei­chung braucht es einen kosten­pflich­tigen Apple Deve­loper Account, die Einrei­chung erfolgt dann über iTunes Connect. Für die erst­ma­lige Erstel­lung des Accounts sollte genü­gend Zeit einbe­rechnet werden (ca. 2 Wochen) da Apple jede Anmel­dung manuell prüft und bear­beitet. Eben­falls für die Einrei­chung der App ist Zeit einzu­rechnen (ca. 2-7 Tage). Die Frei­ga­be­dauer vari­iert abhängig von der Auslas­tung der Prüf­ab­tei­lung von Apple. Eine Voraus­sage bietet die Webseite appre­view­times.com. Bei Google wird eben­falls ein kosten­pflich­tiger Deve­loper Account benö­tigt (sehr schnelle Eröff­nung), die Einrei­chung erfolgt über die Deve­loper Console. Die Apps werden auto­ma­ti­siert geprüft und inner­halb von 1-2 Stunden frei­ge­geben.

Neben den offi­zi­ellen Stores bietet sich die Möglich­keit die App über einen “Inhouse Store” zu verteilen, welchen nur einem begrenzten Nutzer­kreis (z.B. Mitar­beiter eines Unter­neh­mens) zugäng­lich ist. Für einen Inhouse Store muss bei Apple eine Lizenz bean­tragt werden. Die Imple­men­tie­rung eines eigenen Inhouse Stores bieten wir als Lösung für Unter­nehmen an.

Falls eine Firma bereits über ein MDM (Mobile Device Manage­ment System) verfügt, kann die App darüber auf die Devices geladen werden. Ein MDM bietet gewisse Vorteile bezüg­lich Sicher­heit, ist jedoch aufwändig in der Instal­la­tion. Wenn ein solches nicht bereits im Einsatz ist, lohnt sich die Einfüh­rung für den Vertrieb ledig­lich einer App meis­tens nicht. Wir haben die gängigsten MDM getestet und evalu­iert. Die Ergeb­nissen können in diesem Blog­bei­trag einge­sehen werden.

Wie wird meine App gefunden?

Nachdem die App in den App-​Stores frei­ge­schaltet wurde, geht es darum, dass sie möglichst gut gefunden wird. Dafür können klas­si­sche Vermark­tungs­mög­lich­keiten (vom Zeitungs-​Inserat bis zu Werbe­ban­nern) einge­setzt werden.

Ande­rer­seits geht um Mass­nahmen die die Auffind­bar­keit von Apps in den App-​Stores betreffen. Diese werden unter dem Begriff “App Store Opti­miza­tion” (ASO) zusam­men­ge­fasst. Darunter fallen alle Punkte welche die Präsen­ta­tion und Beschrei­bung der App in den Stores betreffen:

  • App Icon

  • App Name

  • Keywords

  • App Kate­go­rien

  • App Beschrei­bung

  • Screen­shots

  • Ratings & Review

  • Preview Video

Die Möglich­keiten, welche sich bei den einzelnen Punkten bieten werden in einem zukünf­tigen Blog-​Post behan­delt werden. So viel sei jedoch verraten: Der (nicht sicht­bare) App-​Rank wird am stärksten durch die Anzahl Down­loads der App beein­flusst.

Was muss ich beim Betrieb der App beachten?

Wenn die App erfolg­reich vermarktet und eine User­basis aufge­baut wurde, gilt es die App sinn­voll weiter zu entwi­ckeln. Anhand des Repor­tings kann analy­siert werden welche Inhalte bei den Nutzern auf Anklang stossen und intensiv genutzt werden und wo noch Verbes­se­rungs­po­ten­tial besteht. Zudem sollte mit einem geeig­neten Tool (z.B. Fire­base) die Crashes über­wacht werden. Wenn sich Crashes häufen muss dem Problem genauer auf den Grund gegangen werden.

Eben­falls über­wa­chen sollte man die Reviews und Kommen­tare in den App Stores. Einer­seits werden dort Fehler gemeldet, ande­rer­seits Erwei­te­rungs­vor­schläge gemacht. Diese gilt es zu analy­sieren und allen­falls die App dementspre­chend zu erwei­tern. Eben­falls bieten beide Platt­formen die Möglich­keit auf Kommen­tare der User zu antworten. Vor allem bei nega­tiven Kommen­taren sollte von dieser Möglich­keit gebrauch gemacht werden.

Ein weiterer Punkt sind die Betriebs­system Updates von Apple und Android. Bei Major- Updates (ganze Zahlen, zB. 11.0.0 bei iOS oder 8.0.0 bei Android) sollte die App bereits vor dem offi­zi­ellen Release mit der Beta-​Version des Betriebs­sys­tems auf die Lauf­fä­hig­keit und allfäl­lige Fehler über­prüft werden. Bezüg­lich Abwärts-​Kompatibilität wird meis­tens die aktu­elle Version und die letzte (allen­falls noch vorletzte) Version unter­stützt.

Fazit

Auf dem Weg zur eigenen App gibt es also viele Fragen zu beant­worten und Entschei­dungen zu treffen. Das Posi­tive ist, dass die Frage­stel­lungen bei vielen App-​Projekten ähnlich sind und sich mit etwas Erfah­rung ein passender Weg oft abzeichnet. Eine App zu erstellen sollte also sicher­lich nicht unter­schätzt werden. Aber wenn man Schritt für Schritt nimmt und sich mit den wich­tigsten Fragen ausein­an­der­setzt steht dem Ziel erfolg­reich eine eigene App zu lancieren nichts mehr im Weg.

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