```meta
author: Andrin Weiler
tags: Digitale Souveränität, Android, Open Source, GrapheneOS
```

# GrapheneOS: Android mal anders

**In unserem [Blog Beitrag](https://www.smoca.ch/blog/2026-01-16/digitale-knechtschaft-ist-gratis-bis-das-abo-kommt) zum Thema digitale Souveränität erklärten wir die Relevanz der Wahl unserer digitalen Werkzeuge. Im heutigen Bericht nehmen wir uns das Android Betriebssystem genauer unter die Lupe.**

![title](title.jpg)

Neue Handys kommen alle mit einem vorinstallierten Betriebssystem, welches man bewusst oder meist unbewusst hinnimmt und verwendet, ohne es gross in Frage zu stellen. Heutzutage bedeutet das leider, dass man sich mit dem Kauf eines Handys für ein Ökosystem entscheidet, das man später nur noch schwer wieder loswerden kann.

Ein in der Schweiz sehr prominentes Beispiel für einen solchen Vendor-Lock ist Samsung. Beim ersten Aufsetzen wirst du sanft dazu gedrängt, einen Samsung Account einzurichten und doch bitte die EULA zu akzeptieren. Ausserdem sind zahlreiche Apps vorinstalliert, die du gefälligst verwenden sollst. Einige dieser Apps sind als System-Apps mit privilegierten Rechten installiert. Sie lassen sich weder deinstallieren noch in ihrem Energie- und Datenhunger bändigen. Darüber hinaus kommt der mangelhafte Software-Support dazu. Gerade in den tieferen Preissegmenten war nach vier Jahren oft Schluss mit Sicherheitsupdates. Zwar erzwingt die EU seit Juni 2025 eine Mindestdauer von fünf Jahren für Sicherheits- und Firmware-Updates, jedoch zählt das nur für neue Geräte und ist nicht rückwirkend. Neben Samsung nutzt aber auch Google sein Monopol aus. Im August 2025 kündigte Google an, dass sie striktere Massnahmen beim Installieren von Apps treffen wollen. Diese Massnahmen beinhalten, dass ab 2027 nur noch von Google verifizierte Apps ohne grössere Umstände installiert werden dürfen. Das betrifft vor allem die Open Source Community, die ihre Apps oft ausserhalb des Google Play Stores installieren, um sich unter anderem von dessen Monopol zu lösen. Solche Apps sind daher zum grössten Teil auch nicht von Google verifiziert und deswegen ebenfalls von Googles Massnahmen betroffen (Mehr zu diesem Thema findest du [hier](https://keepandroidopen.org/)). Aus Sicht der digitalen Souveränität ist das ein Albtraum. Zum Glück gibt es einen Ausweg für alle, die ihr Gerät nicht nur besitzen, sondern auch wirklich kontrollieren wollen.

## Alternative Betriebssysteme

Der Quellcode des Android Grundgerüsts ([AOSP](https://source.android.com/) - Android Open Source Project) ist offen. Deshalb haben nicht nur Smartphone-Hersteller, sondern auch engagierte Communities die Möglichkeit, das System nach ihren Vorstellungen anzupassen. Und genau hier liegt der Ausweg. Offene Alternativen, die ein Betriebssystem **für** den Nutzer entwickeln und nicht gegen ihn. Macht man sich auf die Suche nach offenen Android Distributionen, trifft man auf zahlreiche Ergebnisse. Um etwas Klarheit zu schaffen, ist hier eine grobe Zusammenfassung der Bekanntesten:

| Betriebssystem                        | Hauptfokus                                       | Geräte Kompatibilität                                                             | Update Zyklus                     |
|---------------------------------------|--------------------------------------------------|-----------------------------------------------------------------------------------|-----------------------------------|
| [e/OS](https://e.foundation/e-os/)    | Privatsphäre und Unabhängigkeit (kein Google)    | Samsung, Fairphone, OnePlus und viele [mehr](https://doc.e.foundation/devices)    | regelmässig                       |
| [LineageOS](https://lineageos.org/)   | Langlebigkeit und Individualität                 | Samsung, Fairphone, OnePlus und viele [mehr](https://wiki.lineageos.org/devices/) | regelmässig                       |
| [CalyxOS](https://calyxos.org/)       | Benutzerfreundlichkeit und Privatsphäre          | Fairphone, Motorola, Google Pixel                                                 | unregelmässig (momentan pausiert) |
| [GrapheneOS](https://grapheneos.org/) | Starke Sicherheit und Privatsphäre (kein Google) | Google Pixel, Motorola (ca. ab 2027)                                              | sehr oft                          |

Da ich ein Google Pixel besitze und es mich interessierte wie die Smartphone Welt ohne Google aussieht, fiel meine Wahl auf GrapheneOS. Ein bisschen paradox nicht wahr, Google-Hardware für ein Google-freies System zu nutzen. Das liegt daran, dass Google Pixel Geräte im Thema Hardware-Level-Security ganz vorne mit dabei sind und die neuesten Geräte sogar sieben Jahre garantierte Sicherheits- und Firmware-Updates erhalten. Das sind zwei Jahre mehr, als es die gesetzliche Grundlage der EU vorschreibt. Ausserdem erhalten Pixel Geräte als erstes die neuesten Android Versionen, weshalb auch GrapheneOS einen schnellen Update Zyklus beibehalten kann.

## Was kann GrapheneOS?

GrapheneOS ist das kompromissloseste Betriebssystem unter den Custom-ROMs. Statt unnötigen Zusatzfunktionen setzt es auf ein sauberes, schnelles System mit starken Schutzmechanismen und Standardeinstellungen gegen Exploits sowie Malware und zum Schutz der Privatsphäre. Eine genaue Liste, welche Massnahmen GrapheneOS an Androids Grundsystem vornimmt, ist in ihrem [Feature Overview](https://grapheneos.org/features) detailliert beschrieben.

Es ist absolut verständlich, einen gewissen Respekt beim Ersetzen des Betriebssystems auf seinem eigenen Smartphone zu haben. Die wichtigste Regel ist ganz einfach: **Sichere vorher alle deine Daten**. Sobald die Backups erstellt sind, ist der eigentliche Ablauf erstaunlich einfach. Die Installation ist wirklich hervorragend [dokumentiert](https://grapheneos.org/install/web). Gerade wenn man die webbasierte Installationsmethode nutzt, muss man kein Technikgenie sein, um die Software auf seinem Smartphone zum Laufen zu bringen.

Nach dem ersten Start, ist mir direkt die überraschend kleine Ansammlung der installierten Apps aufgefallen. Keine Bloatware, kein Google. Bei Bedarf können aber Google-Dienste und Apps isoliert in einer gesicherten Sandbox über den Graphene App Store nachgerüstet werden. Für gewisse Apps wie Banking oder für die sofortigen Benachrichtigungen von Messengern sind diese Dienste (leider) essenziell.

![GrapheneOS Screenshot](Screenshot_20260202-115224.png?width=500&nofloat)

Persönlich finde ich die feine Kontrolle der App-Berechtigungen sehr spannend. GrapheneOS bietet im Vergleich zu den bekannten Betriebssystemen an, Berechtigungen wie Netzwerk und Sensoren individuell pro App anzupassen. Das zählt auch für Apps wie den Google Play Store (falls installiert), die unter normalen Installationen solche Einstellungen nicht zulassen würden. Normalerweise klicke ich mich nach einer Neuinstallation mühselig durch diverse Account- und System-Einstellungen durch und passe diese privatsphärenkonform an. Diesmal war das anders, alle Einstellungen waren bereits in meinem Interesse angepasst. Nice :)

## GrapheneOS in der täglichen Anwendung

Als ich mich vor Jahren schon mal mit GrapheneOS auseinandergesetzt habe, stiess ich auf diverse Reviews, die berichteten, dass jegliche Apps schlecht oder nicht funktionieren. Das hat sich mittlerweile dank der Sandbox definitiv verbessert. Banking Apps der Kantonalbanken, DebiX+ und Twint funktionieren in der isolierten Google-Dienst Umgebung ohne Probleme. Auch die Benachrichtigungen meiner Messengers kommen konsequent über den Benachrichtigungsdienst von Google an. Und ganz im Sinne der digitalen Souveränität wechselte ich von den bekannten Apps auf offene Alternativen, die ebenfalls alle einwandfrei funktionieren.

| App                                        | Alternative                                                                                                    | Notizen                                                                                                                                                                                                                               |
|--------------------------------------------|----------------------------------------------------------------------------------------------------------------|---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------|
| Google Play Store                           | [F-Droid](https://f-droid.org/), [Accrescent](https://accrescent.app/), [Aurora Store](https://auroraoss.com/) | Da die meisten meiner Apps Open-Source sind, kann ich sie über F-Droid oder Accrescent herunterladen. Die restlichen Apps können über den App Store Proxy Aurora heruntergeladen werden. Dafür wird auch kein Google Account benötigt. |
| Google Chrome                              | Vanadium (vorinstalliert), [Brave](https://brave.com/)                                                         | Für normales Browsing verwende ich Vanadium, sobald es darum geht gutes Ad-Blocking zu haben wird Brave genutzt.                                                                                                                      |
| Google Maps                                | [CoMaps](https://www.comaps.app/), [Swisstopo](https://map.geo.admin.ch)                                       | Super Alternativen für den täglichen Gebrauch. Leider werden Staus und Baustellen nicht angezeigt. Eine Alternative dafür ist [Magic Earth](https://www.magicearth.com/) .                                                            |
| System Apps (Camera, Gallery, Clock, etc.) | [Fossify](https://www.fossify.org/)                                                                            | Fossify entwickelt, offene und werbefreie System Apps mit modernerem UI als diejenigen von GrapheneOS.                                                                                                                                |
| WhatsApp                                   | [Threema](https://threema.com/en), [Signal](https://signal.org/)                                               | Diese Messenger sind tolle Alternativen für WhatsApp. Ich hatte das Glück, dass viele meiner Bekannten bereits einen Zweit-Messenger installiert haben.                                                                               |
| Gmail, Google Drive und Kalender           | [Proton](https://proton.me/)                                                                                   | Eine Europäische Alternative                                                                                                                                                                                                            |
| Social Media , Streaming und andere Apps   | [Brave](https://brave.com/)                                                                                    | Viele Apps haben eine Web Version die man verwenden kann, ohne zusätzlich eine App installieren zu müssen.                                                                                                                            |
| Google Text to Speech                      | [SherpaTTS](https://f-droid.org/en/packages/org.woheller69.ttsengine/)                                         | GrapheneOS kommt ohne text-to-speech, weshalb ich mich für eine Open-Source, offline App entschieden habe.                                                                                                                            |

Um herauszufinden wie gut eine App ohne Google-Dienste oder mit einer isolierten Sandbox funktioniert, ist [Plexus](https://plexus.techlore.tech/) eine super Resource. Dort findest du benutzererstellte Einstufungen von "Funktioniert einwandfrei" bis "Funktioniert nicht".

Grundsätzlich bin ich mit GrapheneOS sehr zufrieden und ich konnte alles, wofür ich mein Smartphone im Alltag verwende, weiterhin durchführen. Auch wenn ich Google nicht komplett loswerden konnte, bin ich mit dem Sandbox-Setup sehr zufrieden. Ein Punkt der mir persönlich aufgefallen ist und der auch in online Foren oft erwähnt wird, ist die bemerkbar bessere Akkulaufzeit des Smartphones. Das liegt vor allem daran, dass du als Benutzer die Kontrolle vieler Hintergrundprozesse hast und standardmässig die meisten inaktiv sind. 

Aber natürlich gibt es auch einige Stolpersteine, die ich hier nicht vernachlässigen möchte.

## Was nicht so gut läuft

Es ist wichtig zu wissen, dass wenn du dein Smartphone mit einem neuen Betriebssystem ausstattet, die meisten Hersteller keine Garantieleistung mehr erbringen. Neben diesem Risikofaktor gibt es aber auch Features, die momentan noch nicht funktionieren. Eines davon ist das kontaktlose zahlen mit dem Smartphone via Google Wallet, weil sie nur Betriebssysteme offizieller Gerätehersteller zulässt. Für viele ein Killer-Feature. Es gibt zwar Dritthersteller Wallets die mit GrapheneOS kompatibel sind, jedoch für Schweizer Benutzer wie mich noch nicht verfügbar sind. Ähnlich sieht es bei systemintegrierten KIs wie Google Gemini oder Samsungs Bixby aus. Auf Standard-Geräten dürfen sie fast alles mitlesen und steuern. Auf GrapheneOS werden die Apps in eine isolierte Sandbox gesperrt, was dazu führt, dass viele Features nicht mehr oder erst nach einem langen Kampf durch diverse Einstellungen funktionieren. Auch visuell ist GrapheneOS vielleicht nicht für alle ansprechend. Das Betriebssystem setzt hier auf die Material You Designsprache von Google. Gerade für Samsung und One-UI-Liebhabende ein verständlicher Dorn im Auge. Gerade der sonst stark personalisierbare Sperrbildschirm fehlte mir etwas. Ein letzter Negativpunkt ist die Gerätekompatibilität. GrapheneOS unterstützt bisher ausschliesslich Google Pixel Geräte (Dieses Jahr wechselten sie auf Motorola, mehr dazu [hier](https://motorolanews.com/motorola-three-new-b2b-solutions-at-mwc-2026/)). Die wenigsten werden wohl bereits ein Pixel besitzen und noch weniger werden sich nur wegen GrapheneOS ein neues Gerät kaufen. Andere Android Distributionen bieten hier eine breitere Geräteauswahl an. Aber auch in deren Liste sind die aktuellsten Modelle nicht vorhanden.


## Lohnt sich der Umstieg für mich?

Für mich ist die Komforteinbusse definitiv zu klein, als dass ich wieder zum herkömmlichen Betriebssystem zurückwechsle. Doch die Entscheidung für GrapheneOS ist schlussendlich eine Abwägung zwischen Kontrolle, Sicherheit, Geräte Langlebigkeit oder Privatsphäre und digitaler Bequemlichkeit. Beschäftigt dich auch nur schon eines dieser Themen und kannst dich damit abfinden, dass das Einrichten etwas länger gehen könnte als sonst üblich, empfehle ich dir, den Schritt zu wagen. Wenn du aber sehr viel Wert auf Eye Candy (One-UI, Personalisierung des Sperrbildschirms) und die neuesten Google-Funktionen (Gemini, Google Assistant, At A Glance) setzt, sind alternative Betriebssysteme eher nicht zu empfehlen. 
